BMW Motorrad Test Camp Almeria 2011

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Online seit: 22.03.2011

Testbericht

BMW Test Camp Almeria

BMW Test Camp Almeria

S 1000 RR, Sonne, Strand. Sonst noch was? Ja! BMW Modellpalette, Enduro, Helitaxi. Nirwana!

S 1000 RR, Sonne, Strand. Sonst noch was? Ja! BMW Modellpalette, Enduro, Helitaxi. Nirwana!




























































































































 


BMW S 1000 RR Testcamp Almeria 2011



"In a sky full of people only some want to fly."
Was Seal schon 1991 wusste, gilt immer noch. Glücklich sind die, die
'Ja' zum Glück sagen.


 

Österreich, 29.01.2011. Es herrscht Eiszeit. Nicht in meiner Beziehung.
Die erst gestern verlassene und jetzt schon vermisste Frau meldet 12
Grad. Minus. The day after tomorrow live und in 3D. Ich bin 2,5 Tausend
Kilometer entfernt vom Mittelpunkt meines Lebens, aber ich bin ganz bei
ihr. Auch hier in Südspanien, in der Gegend um Almeria, kann es schon
mal etwas kühler werden, wenn sich die Sonne hinter ein paar
Wolkenvorhängen versteckt, um sich frisch zu machen. Dann sinkt das
innere Thermometer auch auf gefühlte 12 Grad. Plus. Nur wer sich öffnet
und die energiereichen Strahlen während der Heizphasen voll in sich
aufnimmt, bekommt im Schattigen keine Gänsehaut. Also Augen zu, das
Gesicht zum Helios gewandt und entspannen. Kaffee und Kuchen finden den
Weg zum Mund automatisch. Geographisch getrennt, im Leid vereint. Ich
denke viel an sie, aber sie wird das überstehen. Echte Sorgen machen mir
die Daheimgebliebenen, die Verweigerer, die Skeptiker, die Drückeberger.



Augen zu, Gesicht zur Sonne. Kaffee & Kuchen finden
den Weg allein.




Ich bin am Ende meiner
Macht und Möglichkeiten, um sie davon zu überzeugen, hier verdammt noch
Mal endlich mitzumachen und sage es deshalb zum dritten und letzten Mal
in aller Deutlichkeit: Das hier ist das Nonplusultra aller
Motorradveranstaltungen weltweit! Das hier ist weltbewegend! Das hier
verändert nicht nur den Blick auf das Motorradfahren, sondern des Lebens
an sich. Nein, ich habe gerade kaum übertrieben.

2010 organisierte die Firma Bike-Promotion, Spezialist für
Motorradveranstaltungen auf der Rennstrecke, erstmals für BMW ein
Testevent in Almeria zur Markteinführung der neuen BMW S 1000 RR. Das Kundenecho
auf Motorrad und Veranstaltung war sensationell und so wurde das Event
für das Jahr 2011 erneut angeboten. Noch besser, noch umfangreicher,
aufgrund der Nachfrage mit doppelt so vielen Teilnehmern. Obwohl der
Kern der Veranstaltung nach wie vor die Testmöglichkeit des bayrischen Superbikes auf Landstraße und Rennstrecke darstellt, wurde das Angebot
in verschiedene Richtungen deutlich erweitert. Auf der Straße, abseits
der Straße und in der Luft. Neben der S 1000 RR steht heuer fast die
gesamte Münchener Modellpalette für Probefahrten bereit. Enduristen
dürfen sich über Offroad-Touren freuen, geführt von einem Guide frisch
von der Paris-Dakar. Wer angesichts dieses Programms noch nicht abhebt,
der kann ja in die Luft gehen. Mit einem der beiden Helikopter für
lächerliche 50 Euro pro Flug. Man kennt das ja von Monaco. Helitaxi von
und zur Rennstrecke? Bitte, Sir.






Leichte Nervosität nach dem dritten
Glas Schaumburg-Lippe-Wein.




Dieser Circus Maximus verlangt klarerweise nach einer starken Hand und
einer fähigen Führung. Der gemeine Österreicher würde die Organisation
der deutschen Kollegen vorsichtig als ‚straff’ oder ‚stramm’ bezeichnen.
Wenn nach einer 11-stündigen Anreise mittels 4 verschiedener
Fortbewegungsmittel – Fuß, Flieger, Auto, Bus - bei der Befehlsausgabe
um 21.30 Uhr sämtliche Team-Mitglieder einzeln vorgestellt werden und
jede Aktivität des nächsten Tages en detail besprochen wird, kann man
als Alpenländer nach dem dritten Glas Schaumburg-Lippe-Wein schon leicht
nervös werden. Auch der Inhalt des Abendappells machte uns nachdenklich.

Berechtigte Kritikpunkte unsererseits waren 'kein Überholen in der
Gruppe' und 'auf den Langsamsten wird immer gewartet'. Wir forderten das
Veto-Recht. Speziell bei uns 1000PSlern herrschen bei einer internen
Ausfahrt nämlich diesbezüglich dem Sicherheitsgedanken äußerst
widersprüchliche Reglements. Zum Beispiel: 'Den Überholvorgang im
Zweifelsfall nie abbrechen' oder unter ‚Freunden gibt es kein zu nah
dran'. Und was mit denen passiert, die abreißen, will ich anstandshalber
nicht beschreiben. Im Falle eines Falles gilt dann wie in der Politik
immer die Unschuldsvermutung.



Doch beim von der Firma Bike-Promotion durchgeführten BMW S 1000 RR
Testevent in und um Almeria geht es nicht um eine Partie
überqualifizierter Instruktoren mit Kürzel wie IDM, SBK und GP im
Lebenslauf, die sich für 10 Tage inkognito an die Küste Spaniens
verziehen, um sich in der Off-Season gegenseitig ihre Hang-Offs zu
zeigen. Es geht einzig und allein um 120 zahlende Teilnehmer und um 4
Tage reinsten Fahrgenuß.







Mehr Glück und Zufriedenheit als in 10 Dalai Lamas.




Es sind gut 60 Teilnehmer mehr als im
letzten Jahr, sprich espresso doppio – die von ihren Organisatoren
verlangen, dass sie es schaffen, Führung und Freiheit, Action und
Entspannung, 193 PS und 0 Stürze und noch ein paar Dinge mehr irgendwie
unter einen Hut zu bringen. Da braucht es fast schon Zauberkünste, auf
jeden Fall aber eine klare und bestimmte Linie. Wer es schafft, 120
Personen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten am Lenker auf Motorrädern
mit 193 PS am Papier und 200 PS in der Realität über südspanische
Straßen zu führen, ohne dass einer liegt, darf gehen, die anderen
bleiben sitzen.

Doch nach zwei Tagen ausfahren über spanische Landstraßen wird es
dann doch ernster. Und für die Veranstalter schwierig, die Disziplin zu
wahren. Wenn es auf die Rennstrecke von Almeria geht, wird es stiller im
Bus, auch wenn innerlich niemand ruhig ist. Nach den Platzpatronen wird
heute scharf geschossen. Gangbanging bei 280 km/h in der Bremszone der fast 1 Kilometer langen
Gegengeraden (Motto: Wer darf zuerst rein – in die 1. Gang Kurve?),
Nadelöhrstochern in der Schikane (2 von 3 Mal daneben), Linienprotestwahl
in der unmöglichen Korkenzieher Dreifach-Rechts. Während es auf der
Straße niemanden in den Sinn gekommen wäre, nach hilfreichen
Fahrtechniktipps zu fragen, kleben jetzt nach jedem Turn alle an den
Lippen der Instruktoren, besonders an denen von Jürgen Fuchs, der hier
scheinbar zu jedem Zentimeter Strecke etwas sagen kann. Eine
vermeintlich unkomplizierte Kurve mit sauberem Radius wird in 10
Einzelteile zerlegt, gegliedert, analysiert und diskutiert. Erst zurück
auf dem Asphalt wird klar, was er ungefähr gemeint haben könnte.



Jürgen Fuchs weiß genau, was auf der Strecke auf
Zentimeter 2.365.856 zu tun ist.



Nur Fliegen (mit dem Helitaxi) ist schöner.

Aber nicht so spektakulär.




Man taucht hier tatsächlich ein in eine andere Welt, wie sie nicht
einmal professionelle Rennfahrer kennen, weil es für die nur ein
knochenharter Everyday-Job ist, für uns die pure, losgelöste Erholung.
Dass die Motorräder immer in perfektem Zustand sind, die Reifen nie
ausgelutscht, Verpflegung und Transport immer auf den Punkt und die
Betreuung seinesgleichen sucht, sollte sich mittlerweile herumgesprochen
haben.

Und wer jetzt immer noch behauptet, vier Tage Motorradnirvana mit
Full-Throttle-Service für 1800 Euro wären überteuert, der versteht
nicht, dass das hier sowieso niemand bezahlen kann.












Interessante Links:



Text:
kot


Fotos:
Racepixx.de


 

 

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